Historisches Fechten

Als Historisches Fechten bezeichnet wir allgemein den Versuch, sich den Fechtkünsten der Vergangenheit anzunähern bzw. diese zu rekonstruieren. Dabei nutzen wir historische Quellen wie Fechtbücher, welche uns seit dem 14. Jahrhundert erhalten geblieben sind. Sie bieten uns Beschreibungen von Bewegungen, Techniken, Taktiken, Strategien und dem Ethos des Fechters. Die Arbeit mit den Historischen Quellen ist aber nicht Teil unseres Unterrichts. Sie findet im Hintergrund in Zusammenarbeit mit erfahrenen Historikern, Sportwissenschaftlern und Fechtlehrern statt. Wenn ihr hier Fragen habt, dann wendet euch an unseren Schulleiter und Haupttrainer Paul Becker.

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Fechten eine Kampfkunst?

Der Begriff Kampfkunst wurde in die europäische Sprachkultur erst in den letzten 50 Jahren eingeführt. Vermutlich im Zusammenhang mit den asiatisch geprägten "Martial Arts Filmen", deren Aufstieg mit den von Bruce Lee geprägten Filmen begannen.

Der Begriff Kampfkunst wurde dann gern aus dem antiken Latein hergeleitet, wo angeblich ars martialis der Ursprungsbegriff für die Künste des Kriegsgottes Mars gewesen sei, welche alle Künste des Kämpfens inbegriffen hätten und sich im Englischen dann martial arts daraus entwickelt habe. Dies ist ein Mythos vermutlich seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Tatsächlich gibt es in der europäischen Geschichte den oft beschriebenen Antiken Begriff ars martialis nicht. Er konnte in historischen Quellen bisher einmal für das 17. Jahrhundert nachgewiesen werden. 

Das heutige Wort Fechten lässt sich im deutschsprachigen Raum bis in da 8./9. Jahrhunder zurückverfolgen. Dort gibt es bereits den Fechter der damals fihta genannt wird, also sehr nah dem englischen fighter. Das lateinische Wort für den Fechter war damals schon der dimicatur . Im Hoch- und Spätmittelalter wurden die Worte fechten und Fechter auch synonym mit schirmen und Schirmer verwendet, sodass die Meister dieser Kunst im Spätmittelalter eben nicht Fechtmeister sondern Schirmmeister genannt wurden. Die Kunst nannte man die "Kunst des Fechtens" und auf Latein ars dimicatoria. Eine detaillierte Ausarbeitung zu den Begriffen wird in meiner Dissertation erfolgen. 

Das Wort Kampf gab es übrigens ab dem Hochmittelalter (ca. 11./12. Jahrhundert). Es bezeichnete den Rahmen des Zweikampfes (camp, kampff, kempf) und die Teilnehmer eines Zweikampfes waren auch die Kämpfer (kempffer oder kempen). Das Verb kämpfen existierte aber nicht. Stattdessen wurde auch das Verb fechten genutzt.

Das, was wir also heute als kämpfen oder Kampfkunst nennen, war früher fechten oder die Kunst des Fechtens bzw. Fechtkunst. Diese Wortbedeutung hält sich bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts und ist auch eng mit den anderen Sprachen in Mittel-, Süd- und Westeuropa verbunden. 

 Daher sprechen wir bei IN MOTU nicht von Kampfkunst sondern von Fechtkunst. Und diese alten Künste werden bei IN MOTU unterrichtet und trainiert.

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